»Der ist cool, der Typ«

Vor ein paar Tagen sah ich mir zusammen mit dem nun fast zehnjährigen Zain Almoallem aus Syrien Ausschnitte aus dem Vortrag von Eckart Tolle an, den Tolle auf Deutsch am 9. Mai 2004 in Fürstenfeldbruck gehalten hat.

Der so kindlich-verschmitzt wirkende Tolle, wie er da die Stille feiert und mit Worten jonglierend sie zärtlich umkreist, langsam, ganz langsam sprechend, das gefiel Zain. »Der ist cool, der Typ«, sagte Zain, der nach anderthalb Jahren in Deutschland nun fast perfekt Deutsch spricht, viel besser als seine Familie. Sonst langweilt sich Zain sehr schnell und kämpft gerne (spielerisch, nicht aggressiv). Hier, bei Tolle, hörte er lange zu und ging dann stillvergnügt ins Bett; es war ja schon fast zehn Uhr, an diesem warmen Sommerabend im Connectionhaus. 

Leider zieht der größte Teil von Zains Familie – sein Opa Abdo und seine Tanta May, die ihn wie eine Mutter betreut – Ende Juli aus. May hat geheiratet, sie darf aber nicht zu ihrem Mann nach Chemnitz ziehen, das verbieten die Richtlinien für Flüchtlinge im »subsidiären Status«. Also zieht sie nach Hof, das ist der nördlichste Punkt in Bayern mit guter Bahnverbindung nach Sachsen, ihr Mann kann dann von dort mit der Bahn zu seiner Arbeitsstelle in Chemnitz fahren, eine Arbeit in München hat er nicht gefunden. Zain muss dann die Schule wechseln. Er ist in seiner Klasser, der dritten Klasse der Grundschule, sehr beliebt und hat dort viele Freunde. Im September kommt er in die vierte Klasse und hat gute Chancen aufs Gymnasium zu kommen, dann vermutlich in Hof, wenn der Transfer nach dort gut gelingt.

Ich werde Zain sehr vermissen. 

 

RSS abonnieren

Diskussion zu: »Der ist cool, der Typ«

Dein Kommentar zu: »Der ist cool, der Typ«

*) Pflichtfelder. E-Mail wird nicht veröffentlicht