Religion und Tanz

Mike (so nennt er sich) aus Kabul ist bisher der einzige im Haus, der täglich betet. Ich sah ihn zu Sonnenuntergang in seinem Zimmer, wie er sich dafür nordostwärst richtete. Nordostwärst? Mekka liegt von uns aus südostwärts. Seitdem ich Mike und den anderen das sagte, gelte ich in der oberen WG als Religionsgelehrter. »Nach Nordosten, spinnst du? Du wirst doch nicht Putin anbeten wollten, oder? Dort liegt Moskau!« Lesen → (Religion und Tanz)

Die Globalisierung kommt bei uns an

Als gäbe es kaum etwas anderes mehr zu berichten, sind die Medien voll mit dem Flüchtlingsthema. Deutschland ist davon extrem betroffen, aber auch für die ausländischen Medien ist es ein Megathema, ob »Merkel es schafft«.

Für mich ist das Leben mit den Flüchtlingen kein »Leben mit Flüchtlingen« mehr, sondern ein Leben mit Maxem, Ray, Abdul, Payam, Roqia, Rahmad, Amir, Zain und den anderen geworden. Dieses Zusammenleben ist nicht so viel anders als mit meinen deutschen Mitmenschen. Wer einem Menschen näher kommt, steht dann vor einem Menschen und nicht mehr vor einem »Flüchtling« oder »Ausländer« – einem Menschen mit diesem oder jenem Bildungshintergrund, Alter und Geschlecht, dieser oder jener Sprachfähigkeit, diesem oder jenem Charakter. Und hinter diesem Menschen, bei Einheimischen ebenso wie bei Ausländern, steht seine Geschichte. Die Geschichte einer Bewegung, einer Flucht oder Ausreise, von mehr oder weniger radikalen Brüchen und Wendepunkten, so ist das bei jedem von uns. Lesen → (Die Globalisierung kommt bei uns an)

Multikulti, sprachlich und menschlich

Montag Abend hatten wir hier in Niedertaufkirchen ein Treffen im Gasthof Söll, auf dem ein Jurist und der für uns zuständige Asylsozialberater vom Landratsamt unser Dorf über die Flüchtlingssituation informierten. Ungefähr 30 Personen kamen, darunter wir drei von der Connectionhaus-WG, Inge, Peter und ich. Auch vier der Flüchtlinge waren mit uns gekommen: die syrische Familie, die bei uns wohnt. Sie wollten sich zeigen und die Stimmung mitbekommen. Von den Flüchtlingen bei uns im Haus versteht noch keiner Deutsch. Lesen → (Multikulti, sprachlich und menschlich)

Frauenrechtlerinnen unter den Flüchtlingen

Die erste Familie, die hier im Haus ankam, hatte zwei schön geheizte Zimmer zur Verfügung, ein großes für Vater-Mutter-Kind (das war mein früheres Arbeitszimmer), und eines für den 18-jährigen Bruder der Mutter. Sie hatten vom Landratsamt Geld bekommen, hatten aber noch nichts zu essen, deshalb fuhr ich mit den beiden Männern in den nächsten Ort zum Einkaufen, denn hier in Niedertaufkirchen gibt es leider keinen Lebensmittelladen mehr. Wir fuhren zum Penny, dort hatte auch ich was zu besorgen. Der Frau an der Kasse, ich kenne sie seit langem, sagte ich, dass das meine neuen Mitbewohner seien. Payam, der Familienvater kaufte für 70 € ein, der jüngere Bruder der Mutter für 20 €. Wieviel Geld bekommen die eigentlich? Sie hätte was von 600 € gehört, sagte die Frau an der Kasse. Waaaas, so viel? Lesen → (Frauenrechtlerinnen unter den Flüchtlingen)

Wohnen mit Flüchtlingen

Diese Woche sind elf Flüchtlinge bei uns im Connectionhaus eingezogen. Zuerst kam eine vierköpfige Familie aus Afghanistan, dann eine eben so große Familie aus Syrien, gestern noch drei Männer aus Afghanistan. Von einigen haben wir schon die ihre Geschichten gehört, wie sie hergekommen sind und warum. Mit den vier aus Syrien ist gestern und heute so viel Nähe entstanden, dass Inge vorhin sagte: »Es ist wie Familie mit ihnen.« Wir laden uns gegenseitig zum Essen oder Teetrinken ein und verständigen uns so gut wir können. Mit den Syrern geht das einigermaßen in gebrochenem Englisch, mit den Afghanen mehr körpersprachlich, pantomimisch. Besonders die beiden kleinen Familien haben wir schon jetzt tief ins Herz geschlossen; sie leben mit uns auf einer Etage und sie waren die ersten. Jetzt sind sie zwei und drei Tage hier im Haus. Die Kinder fassen am schnellsten Vertrauen, dann die Frauen, dann die Männer.

Als ich gestern mit all den Eindrücken von unseren neuen Hausbewohnern ins Bett ging, waren mir die Reisen wieder präsent, die ich mit 18 und 22 in diese Länder (Türkei, Iran, Afghanistan, Syrien) unternommen hatte. Lesen → (Wohnen mit Flüchtlingen)