Im Austausch mit unseren Gästen

Heute vor einer Woche hatten wir unser Tanzfest Freitanz haben wir es genannt, in Anlehnung an die »Freitänzer«-Events aus München und anderen Städten, die es auch mal bei uns in der Region gab, hier Nähe von Vilsbiburg.

Bis auf einen der Afghanen haben alle mitgetanzt. Dieser eine, scheue Tanz-Abstinenzler sagte, er habe in Afghanistan einen Lehrer gehabt (»my leader«, er zeigte mir das Foto auf seinem Handy und war dabei den Tränen nahe), der seiner Anhängerschaft das Tanzen untersagt hatte und von den Taliban erschossen wurde. Sonst waren alle da, die Syrer und die Afghanen, auch die Kinder, der dreijährige Amir und der neunjährige Zain, und es waren einige unserer Freunde aus Niedertaufkirchen, Mühldorf und Töging gekommen. Die Erfahrung war so ermutigend, dass wir das wieder machen werden: Lesen → (Im Austausch mit unseren Gästen)

Angst vor Fanatikern

Zwei Tage nach den beiden Familien aus Damaskus und Kabul kamen bei uns drei Männer aus Afghanistan an. Die zuständige Asylsozialberaterin wies ihnen die Zimmer zu und teilte dabei einem Hazara (eine mongolisch-stämmige Ethnie aus Zentralafghanistan) ein Zimmer zusammen mit einem Pashtunen zu. »Das geht nicht«, sagte der Hazara in gebrochenem Englisch, »ich habe Angst!«. Die Pashtunen hätten an den Hazara Massaker begangen, sie würden mit den Taliban paktieren. Da wusste ich erstmal nicht, was ich damit anstellen sollte.

»Wer wo wohnt, das ist kein Wunschkonzert«, sagte die Sozialberaterin mit fester Stimme. Lesen → (Angst vor Fanatikern)

Religion und Tanz

Mike (so nennt er sich) aus Kabul ist bisher der einzige im Haus, der täglich betet. Ich sah ihn zu Sonnenuntergang in seinem Zimmer, wie er sich dafür nordostwärst richtete. Nordostwärst? Mekka liegt von uns aus südostwärts. Seitdem ich Mike und den anderen das sagte, gelte ich in der oberen WG als Religionsgelehrter. »Nach Nordosten, spinnst du? Du wirst doch nicht Putin anbeten wollten, oder? Dort liegt Moskau!« Lesen → (Religion und Tanz)

Die Globalisierung kommt bei uns an

Als gäbe es kaum etwas anderes mehr zu berichten, sind die Medien voll mit dem Flüchtlingsthema. Deutschland ist davon extrem betroffen, aber auch für die ausländischen Medien ist es ein Megathema, ob »Merkel es schafft«.

Für mich ist das Leben mit den Flüchtlingen kein »Leben mit Flüchtlingen« mehr, sondern ein Leben mit Maxem, Ray, Abdul, Payam, Roqia, Rahmad, Amir, Zain und den anderen geworden. Dieses Zusammenleben ist nicht so viel anders als mit meinen deutschen Mitmenschen. Wer einem Menschen näher kommt, steht dann vor einem Menschen und nicht mehr vor einem »Flüchtling« oder »Ausländer« – einem Menschen mit diesem oder jenem Bildungshintergrund, Alter und Geschlecht, dieser oder jener Sprachfähigkeit, diesem oder jenem Charakter. Und hinter diesem Menschen, bei Einheimischen ebenso wie bei Ausländern, steht seine Geschichte. Die Geschichte einer Bewegung, einer Flucht oder Ausreise, von mehr oder weniger radikalen Brüchen und Wendepunkten, so ist das bei jedem von uns. Lesen → (Die Globalisierung kommt bei uns an)

Multikulti, sprachlich und menschlich

Montag Abend hatten wir hier in Niedertaufkirchen ein Treffen im Gasthof Söll, auf dem ein Jurist und der für uns zuständige Asylsozialberater vom Landratsamt unser Dorf über die Flüchtlingssituation informierten. Ungefähr 30 Personen kamen, darunter wir drei von der Connectionhaus-WG, Inge, Peter und ich. Auch vier der Flüchtlinge waren mit uns gekommen: die syrische Familie, die bei uns wohnt. Sie wollten sich zeigen und die Stimmung mitbekommen. Von den Flüchtlingen bei uns im Haus versteht noch keiner Deutsch. Lesen → (Multikulti, sprachlich und menschlich)